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Die beiden Referentinnen Alexandra Portmann und Lena van der Hosen stehen hinter einem Rednerpult. Im Vordergrund sind Zuhörer:innen sichtbar, neben dem Rednerpult steht ein Blumenstrauss.
Neue Medien und Digitalität sollen neues Publikum in Theater- und Opernhäuser locken. Gelingt dies? Die beiden Professorinnen Lena van der Hoven und Alexandra Portmann (v.l.n.r.) haben Vorbehalte. © FUG / Stefan Wermuth

Digitalität in Oper und Theater

Nicht erst seit der Coronapandemie wird Digitalität auch in den performativen Künsten diskutiert. Neue Medien und Digitalität sollen neues Publikum in Theater- und Opernhäuser locken und deren antiquiertes Image aufbessern – so die Hoffnung. 

Von Sarah Beyeler

Ob und wie die Digitalität diesen Ansprüchen gerecht werden kann, erläutern die Theaterwissenschaftlerin Prof. Dr. Alexandra Portmann und die Musikwissenschaftlerin Prof. Dr. Lena van der Hoven. Beide lehren an der Universität Bern.

Liveness als Herausforderung

«Eine grosse Herausforderung von digitalen Formaten ist das Bedürfnis des Publikums nach Liveness», so Lena van der Hoven. Gemeint ist damit die unmittelbare, gleichzeitige Anwesenheit von Zuschauenden und Darstellenden im Theater oder in der Oper. Deshalb werden digitale Streaming-Angebote von Aufführungen oder virtuelle Inszenierungen selbst bei aufwändigen Produktionen dem Bedürfnis des Publikums nach Liveness kaum gerecht.

Um ein neues, junges und digitalaffines Publikum ins Theater oder in die Oper zu locken, müssten neue Erfahrungsräume geschaffen werden, die eine Identifikation mit dem digitalen Alltag des jungen Publikums erlaubten, so die Referentinnen. Das (junge) Publikum soll in eine Aufführung eintauchen und aktiv daran teilhaben können; es ist nicht mehr länger nur zuschauend.

Eintauchen und teilhaben

Immersion und Partizipation lauten die Stichworte dazu: Zuschauer:innen werden während der Aufführung zur Handlung aufgefordert und so zu Mitakteur:innen, oft unterstützt durch den Einsatz von VR-Brillen oder Smartphones. «Solche immersiven Ästhetiken sind massgeblich durch Computergames beeinflusst», sagt Alexandra Portmann.

Insbesondere seit der Pandemie finden Experimente mit erweiterter Realität (augmented reality) statt. Mit VR-Brillen Einblick in den Orchestergraben erhalten, sich Untertitel oder Hintergrundinformationen einblenden lassen ist bereits möglich, einiges mehr ist in der Entwicklung. Können solche erweiterten Produktionen das Interesse des heutigen Stammpublikums erwecken? Reicht die erweiterte Realität aus, um das Interesse eines jüngeren Publikums an Theater und Opernmusik zu wecken? All das wird sich erst in Zukunft zeigen, sagt Lena von der Hoven.

Weiter stellen sich Fragen nach der Zugänglichkeit solcher neuen Formate und nicht zuletzt nach den infrastrukturellen und institutionellen Voraussetzungen, die wiederum mit Kostenfragen verbunden sind. Damit schlagen Portmann und van der Hoven den Bogen zur letzten Veranstaltung der Reihe «Herausforderung Kultur», die das Thema der Kulturförderung behandeln wird.

Zu den Personen

Die Referentin Janine Bürkli spricht in ein Handmikrofon und gestikuliert mit der linken Hand. Im Hintergrund ist das blauweisse Banner mit dem Forumslogo erkennbar.
© FUG / Stefan Wermuth

Lena van der Hoven (li) hat seit 2022 die Professur Musiktheater an der Universität Bern inne. Ihr Forschungsinteresse gilt den vielfältigen Verflechtungen von Oper und Musiktheater mit Politik. Alexandra Portmann (re) ist seit 2020 Professorin für Theaterwissenschaft an der Universität Bern. Neben ihrer akademischen Tätigkeit war sie in der freien Theaterszene engagiert.

ZUR AUTORIN

Sarah Beyeler arbeitet am Forum für Universität und Gesellschaft.

Zur Veranstaltung

Schwarz-Weiss-Foto einer leeren Bühne mit einem Lichtkegel von drei Scheinwerfern; in den Lichtstrahlen ist feiner Nebel sichtbar.
© freepik.com

Die Videoaufzeichnung des Vortrags können Sie sich hier ansehen. 

Weitere Unterlagen zur Veranstaltungsreihe finden Sie hier.